Hilfe mein Kind wurde von einer Zecke gestochen! Wie gefährlich ist ein Zeckenstich für Kinder?
Ein Zeckenstich bei Kindern ist zunächst kein Grund zur Panik. Die meisten Zeckenstiche bleiben ohne gesundheitliche Folgen. Dennoch können Zecken Krankheitserreger übertragen – insbesondere Borrelien und in bestimmten Regionen Deutschlands das FSME-Virus.
Wichtig ist deshalb, eine Zecke möglichst früh zu entdecken und richtig zu entfernen. Nach Aufenthalten im Freien sollten Eltern ihre Kinder gründlich nach Zecken absuchen und die Einstichstelle anschließend einige Zeit beobachten.
Und eine verbreitete Vorstellung können wir gleich ausräumen: Zecken fallen nicht von Bäumen. Sie halten sich vor allem in bodennaher Vegetation, Gräsern und Unterholz auf.
Größenverhältnis zwischen Gemeiner Holzbock und Hyalomma
Was passiert eigentlich bei einem Zeckenstich?
Eine Zecke ritzt die Haut mit ihren Mundwerkzeugen an und verankert ihren Stechapparat in der Haut. Anschließend beginnt sie, Blut zu saugen.
Dabei gibt die Zecke Speichel in die Stichstelle ab. Dieser enthält verschiedene Stoffe, die unter anderem die Blutgerinnung beeinflussen und den Saugvorgang erleichtern.
Ist eine Zecke mit Krankheitserregern infiziert, können diese beim Saugvorgang auf den Menschen übertragen werden. Deshalb sollte eine entdeckte Zecke möglichst früh entfernt werden.
Wo halten sich Zecken auf?
Zecken leben vor allem in Gräsern, Büschen, Unterholz und bodennaher Vegetation. Sie fallen nicht von Bäumen.
Kinder können mit Zecken beispielsweise beim Spielen auf Wiesen, an Waldrändern, auf Grünflächen oder beim Streifen durch hohes Gras in Kontakt kommen.
Hat eine Zecke einen Menschen erreicht, sucht sie häufig zunächst nach einer geeigneten Stichstelle. Bei Kindern sollten Eltern insbesondere folgende Körperbereiche kontrollieren:
- Kopf und Haaransatz
- hinter den Ohren
- Nacken
- Achselhöhlen
- Ellenbeugen
- Kniekehlen
- Leistenbereich
Zecken können bei geeigneten Temperaturen auch außerhalb der klassischen Zeckensaison aktiv sein. Deshalb lohnt sich das Absuchen nach Aufenthalten in der Natur nicht nur im Hochsommer.
Was ist eigentlich eine Zecke?
Zecken sind Parasiten und gehören biologisch zu den Spinnentieren. Erwachsene Zecken besitzen acht Beine.
Für ihre Entwicklung benötigen Zecken Blutmahlzeiten von Wirbeltieren – beispielsweise von Säugetieren, Vögeln oder Menschen.
Für den Menschen ist dabei nicht der geringe Blutverlust entscheidend. Relevant ist vielmehr, dass Zecken beim Blutsaugen Krankheitserreger übertragen können.
Welche Krankheiten können durch Zecken übertragen werden?
In Deutschland spielen vor allem zwei durch Zecken übertragene Erkrankungen eine Rolle: Borreliose und FSME – Frühsommer-Meningoenzephalitis
Dabei gibt es einen wichtigen Unterschied: Borreliose wird durch Bakterien verursacht und kann mit Antibiotika behandelt werden. FSME wird dagegen durch Viren verursacht. Gegen FSME steht eine Schutzimpfung zur Verfügung.
Wie gefährlich ist Borreliose bei Kindern?
Borreliose wird durch Bakterien – sogenannte Borrelien – verursacht. Eine Schutzimpfung gegen Borreliose gibt es derzeit nicht.
Das Risiko einer Übertragung steigt mit der Dauer des Saugvorgangs. Deshalb gilt: Eine Zecke sollte möglichst früh entfernt werden.
Ein mögliches Anzeichen einer Borreliose ist die sogenannte Wanderröte. Dabei entsteht um die Einstichstelle oder an einer anderen Körperstelle eine sich ausbreitende Hautrötung. Sie kann erst einige Zeit nach dem Zeckenstich auftreten.
Beobachten Sie deshalb die Einstichstelle und Ihr Kind nach einem Zeckenstich. Treten eine auffällige Hautrötung, Fieber, ungewöhnliche Beschwerden oder andere unklare Symptome auf, sollten Sie Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt kontaktieren.
Eine Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden.
Wie gefährlich ist FSME bei Kindern?
FSME – die Frühsommer-Meningoenzephalitis – wird durch Viren verursacht, die durch Zecken übertragen werden können.
Anders als bei der Borreliose können FSME-Viren bereits beim Stich übertragen werden. Allerdings trägt längst nicht jede Zecke das Virus in sich.
FSME tritt in Deutschland regional unterschiedlich häufig auf. Das Robert Koch-Institut veröffentlicht und aktualisiert regelmäßig eine Karte der ausgewiesenen FSME-Risikogebiete.
Eine FSME-Erkrankung kann zunächst mit grippeähnlichen Beschwerden beginnen. Bei einem Teil der Erkrankten kann das zentrale Nervensystem betroffen sein. Bei Kindern verläuft die Erkrankung im Allgemeinen häufiger leichter als bei Erwachsenen.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung insbesondere für Menschen, die in FSME-Risikogebieten Zecken ausgesetzt sind.
Wie entferne ich bei meinem Kind die Zecke?
Entdecken Sie eine Zecke bei Ihrem Kind, sollte sie so schnell wie möglich entfernt werden.
Greifen Sie die Zecke mit einer geeigneten Pinzette oder einem speziellen Instrument zur Zeckenentfernung möglichst nah an der Haut und ziehen Sie sie langsam und kontrolliert heraus. Dabei sollte die Zecke möglichst nicht gequetscht werden.
Bleiben kleine Teile des Stechapparates in der Haut zurück, ist dies in der Regel kein Grund zur Beunruhigung. Die Haut kann diese Fremdkörper häufig selbst abstoßen. Entzündet sich die Stelle oder sind Sie unsicher, lassen Sie sie kinderärztlich beurteilen.
Nach dem Entfernen sollten Sie die Einstichstelle beobachten.
Wie kann ich mein Kind vor Zecken schützen?
Ein vollständiger Schutz vor Zecken ist kaum möglich. Mit einigen einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko eines Zeckenstichs jedoch verringern:
- Suchen Sie Ihr Kind nach Aufenthalten im Freien gründlich nach Zecken ab.
- Helle Kleidung erleichtert es, Zecken frühzeitig zu entdecken.
- Lange Hosen, geschlossene Schuhe und möglichst bedeckte Haut erschweren Zecken den Zugang.
- Kontrollieren Sie bei Kindern besonders Kopf, Haaransatz, Nacken und den Bereich hinter den Ohren, aber auch Achselhöhlen, Kniekehlen und Leisten.
- Geeignete Zeckenschutzmittel können zusätzlichen Schutz bieten. Beachten Sie dabei unbedingt die Altersangaben und Anwendungshinweise des jeweiligen Produkts. Das BfR weist insbesondere bei kleinen Kindern auf entsprechende Einschränkungen hin.
- Vor Reisen oder Aufenthalten in FSME-Risikogebieten können Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt besprechen, ob eine FSME-Impfung sinnvoll beziehungsweise empfohlen ist.
Über die Autorin
Dr. med. Christiane Puck
Fachärztin für Anästhesie, Notfallmedizin, und Palliativmedizin, Gründerin des Projekts und des Vereins „Doc Puck zeigt es“ e.V. – Kinder retten Leben. www.docpuckzeigtes.de
Mehr zu Christiane Puck
Christiane Puck ist Fachärztin für Anästhesie, Notfallmedizin und Palliativmedizin. Nach ihrer Approbation ging sie als Stipendiatin der Fulbright-Stiftung für zwei Jahre nach Boston und machte dort ihren Master of Public Health. Am Universitätsklinikum Bonn absolvierte sie ihre Facharztausbildung zur Anästhesistin. Im Rahmen ihres Berufs ist sie auch als Notärztin tätig.
Während ihres Berufslebens, aber auch bei ihrem privaten Engagement für Kinder („Kids save Lives“, „Lesen verzaubert“) hat Christiane festgestellt, dass Kinder im Gegensatz zu Erwachsenen angstfrei, furchtlos, mutig und wissbegierig sind. Daher kann man sie auch für das so wichtige Thema der Lebensrettung begeistern. In Deutschland wird Erste-Hilfe für den Führerschein erlernt und dann schnell wieder vergessen. Anders ist es in den skandinavischen Ländern dort ist Erste-Hilfe bereits in der Grundschule ein Schulfach mit dem Erfolg, dass mehr als 70 % der Bevölkerung Erste-Hilfe leisten können. In Deutschland können dies nur 20-30 %.
Mit ihrem Projekt „Doc Puck zeigt es“ will Christiane ein Umdenken in der Gesellschaft erreichen: Erste-Hilfe zu leisten muss in Deutschland „in“ werden. Sie ist davon überzeugt, dass dies nur über die Kinder zu schaffen ist, denn Kinder lernen schon in jungen Jahren Erste-Hilfe wie Fahrradfahren und Schwimmen und vergessen es nie wieder.
Pflasterpass® und „Doc Puck zeigt es“ verbindet ein gemeinsames Anliegen: Kinder frühzeitig dabei zu unterstützen, Wissen, Sicherheit und Handlungskompetenz für Notfallsituationen zu entwickeln.
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