Kinder-Hausapotheke
Kinder-Hausapotheke – was Eltern zu Hause haben sollten
Eine gut ausgestattete Kinder-Hausapotheke hilft Eltern, bei kleineren Verletzungen und leichten Beschwerden schnell reagieren zu können. Wichtig ist dabei: Medikamente für Erwachsene sind nicht automatisch für Kinder geeignet. Je nach Alter und Körpergewicht können andere Wirkstoffe, Dosierungen oder Darreichungsformen erforderlich sein.
Welche Arzneimittel für das eigene Kind sinnvoll sind und wie sie richtig dosiert werden, sollte mit der Kinderärztin, dem Kinderarzt oder der Apotheke besprochen werden. Auch Haltbarkeit und Lagerung sollten regelmäßig überprüft werden. Das gilt besonders, wenn Kinder aufgrund chronischer Erkrankungen wie Asthma oder Allergien auf bestimmte Medikamente angewiesen sind.
Im Folgenden zeigen wir, welche Medikamente, Medizinprodukte und Hilfsmittel für eine Kinder-Hausapotheke sinnvoll sein können.
1. Fiebersaft bzw. Zäpfchen
Für Kinder geeignete Arzneimittel mit Ibuprofen oder Paracetamol können Schmerzen lindern und Fieber senken.
Welche Darreichungsform geeignet ist und in welcher Dosierung das Medikament gegeben werden darf, hängt unter anderem vom Alter und Körpergewicht des Kindes sowie vom jeweiligen Arzneimittel ab. Lassen Sie sich hierzu von Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt oder in der Apotheke beraten.
Und wichtig: Fiebersenkende Mittel müssen nicht automatisch bei jedem Fieber eingesetzt werden. Auch aktuelle Informationen des BIÖG weisen darauf hin.
2. Nasentropfen oder Nasenspray mit Wirkstoff
Abschwellende Nasentropfen oder Nasensprays können bei Schnupfen kurzfristig helfen, die Nasenatmung zu erleichtern. Bei Kindern müssen Präparate verwendet werden, die für das jeweilige Alter geeignet sind.
Abschwellende Nasentropfen und -sprays sollten nur für kurze Zeit und entsprechend der empfohlenen Dosierung angewendet werden.
Isotonische Kochsalzlösung (NaCl 0,9 %) oder entsprechende Salzsprays können die Nasenschleimhaut befeuchten und über einen längeren Zeitraum verwendet werden.
Das entspricht auch den aktuellen Empfehlungen zur Kinder-Hausapotheke.
3. Orale Rehydratationslösung
Bei Durchfall und Erbrechen verlieren Kinder Flüssigkeit und Elektrolyte. Eine für Kinder geeignete orale Rehydratationslösung kann dabei helfen, diesen Verlust auszugleichen.
Bei Erbrechen kann es hilfreich sein, die Lösung zunächst in kleinen Mengen und wiederholt mit einem Löffel oder einer Spritze zu geben.
Das ist sogar sehr schön durch die aktuelle S2k-Leitlinie zur Gastroenteritis bei Kindern abgesichert: Dort wird bei Erbrechen die Gabe kleiner Mengen oraler Rehydratationslösung in kurzen Abständen empfohlen.
4. Wunddesinfektionsmittel
Kleine oberflächliche Schürfwunden müssen nicht grundsätzlich desinfiziert werden. Häufig genügt es, die Wunde sorgfältig zu reinigen und anschließend gegebenenfalls mit einem geeigneten Pflaster oder Wundverband abzudecken.
Für stärker verschmutzte oder behandlungsbedürftige Wunden kann ein für Kinder geeignetes Wunddesinfektionsmittel sinnvoll sein. Lassen Sie sich bei der Auswahl in der Apotheke beraten.
5. Was gehört außerdem in die Kinder-Hausapotheke?
Neben Arzneimitteln gehören auch einige praktische Hilfsmittel und Verbandsmaterialien in eine gut ausgestattete Kinder-Hausapotheke. Einige davon sind auch für eine kleine Notfalltasche auf Reisen sinnvoll:
- digitales Fieberthermometer
- Splitter- und Zeckenpinzette
- Kältekompressen
- Kalt-/Warm-Kompressen
- Zahnrettungsbox
- kleine Ampullen mit Kochsalzlösung
- Verbandsschere
- Wundpflaster zum Zuschneiden
- Pflasterstrips für Kinder
- Einmalhandschuhe
- sterile Verbandspäckchen
- sterile Kompressen
- Rettungsdecke
Und natürlich darf auch der Lieblingsteddy oder das Igelchen nicht fehlen – etwas Vertrautes kann helfen, ein Kind nach einem kleinen Unfall zu beruhigen.
Wenn Sie bei der Anwendung eines Arzneimittels oder Medizinprodukts unsicher sind, lassen Sie sich die richtige Handhabung von Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt oder in der Apotheke erklären.
Verschlechtert sich der Zustand Ihres Kindes, sind Sie unsicher oder tritt keine Besserung ein, holen Sie ärztlichen Rat ein.
In akuten oder lebensbedrohlichen Notfällen rufen Sie den Rettungsdienst über die 112.
Bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten steht außerdem der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zur Verfügung.
Die aktuellen BIÖG-Informationen empfehlen, solche wichtigen Notfallnummern ebenfalls bei der Hausapotheke griffbereit zu haben.
Über die Autorin
Dr. med. Christiane Puck
Fachärztin für Anästhesie, Notfallmedizin, und Palliativmedizin, Gründerin des Projekts und des Vereins „Doc Puck zeigt es“ e.V. – Kinder retten Leben. www.docpuckzeigtes.de
Mehr zu Christiane Puck
Christiane Puck ist Fachärztin für Anästhesie, Notfallmedizin und Palliativmedizin. Nach ihrer Approbation ging sie als Stipendiatin der Fulbright-Stiftung für zwei Jahre nach Boston und machte dort ihren Master of Public Health. Am Universitätsklinikum Bonn absolvierte sie ihre Facharztausbildung zur Anästhesistin. Im Rahmen ihres Berufs ist sie auch als Notärztin tätig.
Während ihres Berufslebens, aber auch bei ihrem privaten Engagement für Kinder („Kids save Lives“, „Lesen verzaubert“) hat Christiane festgestellt, dass Kinder im Gegensatz zu Erwachsenen angstfrei, furchtlos, mutig und wissbegierig sind. Daher kann man sie auch für das so wichtige Thema der Lebensrettung begeistern. In Deutschland wird Erste-Hilfe für den Führerschein erlernt und dann schnell wieder vergessen. Anders ist es in den skandinavischen Ländern dort ist Erste-Hilfe bereits in der Grundschule ein Schulfach mit dem Erfolg, dass mehr als 70 % der Bevölkerung Erste-Hilfe leisten können. In Deutschland können dies nur 20-30 %.
Mit ihrem Projekt „Doc Puck zeigt es“ will Christiane ein Umdenken in der Gesellschaft erreichen: Erste-Hilfe zu leisten muss in Deutschland „in“ werden. Sie ist davon überzeugt, dass dies nur über die Kinder zu schaffen ist, denn Kinder lernen schon in jungen Jahren Erste-Hilfe wie Fahrradfahren und Schwimmen und vergessen es nie wieder.
Pflasterpass® und „Doc Puck zeigt es“ verbindet die Überzeugung, dass Kinder frühzeitig altersgerecht an Gesundheits-, Sicherheits- und Handlungskompetenz herangeführt werden sollten.
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