Hilfe, mein Kind ist gestochen worden – Wespe, Biene oder Hornisse?
Insektenstiche gehören gerade in den warmen Monaten zum Alltag von Kindern. Meist sind Stiche von Mücken, Wespen, Bienen oder Hornissen zwar unangenehm und schmerzhaft, aber harmlos. Besondere Aufmerksamkeit ist jedoch bei Stichen im Mund- und Rachenraum sowie bei Anzeichen einer allergischen Reaktion erforderlich.
Vergleich der verschiedenen Insekten
Wespen:
- Wespen erkennt man häufig an ihrer auffälligen schwarz-gelben Färbung.
- Ihr Körper besteht aus Kopf, Brust und Hinterleib. Zwischen Brust und Hinterleib befindet sich die typische schmale „Wespentaille“.
- Wespen können mehrfach stechen, da ihr Stachel nach dem Stich normalerweise nicht in der Haut verbleibt.
- Beim Stich wird Gift in die Haut abgegeben.
Bienen:
- Bienen wirken im Vergleich zu Wespen meist kräftiger und stärker behaart.
- Sie sammeln Nektar und Pollen und spielen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen.
- Bei einem Stich bleibt der mit Widerhaken versehene Stachel einer Honigbiene häufig in der Haut zurück.
- Der Stachel sollte möglichst schnell entfernt werden. Entscheidend ist dabei vor allem die schnelle Entfernung.
- Nach einem Stich stirbt die Honigbiene in der Regel.
Hornissen:
- Hornissen gehören zu den Wespen und sind deutlich größer als viele andere heimische Wespenarten.
- Sie sind in der Regel nicht aggressiv, solange sie sich oder ihr Nest nicht bedroht fühlen.
- Hornissen können mehrfach stechen.
- Auch ein Hornissenstich verursacht meist eine lokale Reaktion mit Schmerzen, Rötung und Schwellung.
Wie erkenne ich einen Wespenstich?
Nach einem Wespenstich kommt es häufig zu einer lokalen Reaktion an der Einstichstelle:
- Schmerzen oder Brennen
- Rötung
- Schwellung
- Juckreiz
- Überwärmung der betroffenen Hautstelle
Diese Reaktionen können unangenehm sein, sind aber in den meisten Fällen nicht gefährlich.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Ihr Kind im Mund- oder Rachenraum gestochen wurde oder Anzeichen einer allergischen Reaktion zeigt.
Bei Atemnot, Kreislaufproblemen oder einer rasch zunehmenden Schwellung im Mund- und Rachenraum sofort den Notruf 112 wählen.
Was mache ich als erstes, wenn mein Kind von einer Wespe gestochen wird?
- Beruhigen Sie Ihr Kind und schauen Sie sich die Einstichstelle an.
- Kühlen Sie die Einstichstelle mit einem kalten, feuchten Tuch oder einem in ein Tuch eingeschlagenen Kühlpack.
- Legen Sie Kühlpacks niemals direkt auf die Haut.
- Achten Sie darauf, dass Ihr Kind die Einstichstelle möglichst nicht aufkratzt.
- Beobachten Sie Ihr Kind nach dem Stich und achten Sie insbesondere auf ungewöhnlich starke Schwellungen oder Anzeichen einer allergischen Reaktion.
- Bei einem Stich im Mund- oder Rachenraum sofort den Notruf 112 wählen. Schwellungen können hier die Atemwege beeinträchtigen.
- Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes den Hals von außen kühlen. Kann Ihr Kind sicher schlucken, kann es Eis oder Eiswürfel lutschen.
- Bei Atemnot, Kreislaufproblemen oder anderen Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion ebenfalls sofort 112 wählen.
Was mache ich, wenn mein Kind allergisch reagiert?
Eine schwere allergische Reaktion kann sich innerhalb kurzer Zeit entwickeln.
Mögliche Warnzeichen sind:
- starke Schwellungen, insbesondere im Gesicht, an Lippen, Zunge oder im Rachen
- Juckreiz, Hautrötungen oder Quaddeln an mehreren Körperstellen
- Übelkeit oder Erbrechen
- Schwindel oder Kreislaufprobleme
- Atemnot
- zunehmende Schwäche oder Bewusstseinsstörungen
Bei Atemnot, Kreislaufproblemen oder anderen Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion sofort den Notruf 112 wählen.
Ist bei Ihrem Kind bereits eine Insektengiftallergie bekannt und wurde ein Notfallset verordnet, verwenden Sie dieses entsprechend der ärztlichen Anweisung.
Wie kann ich Wespenstiche vorbeugen?
- Wespen nicht reizen, schlagen oder anpusten.
- Speisen und Getränke im Freien möglichst abdecken.
- Süße Getränke und reifes Obst nicht offen stehen lassen.
- Vor dem Trinken aus Flaschen, Dosen oder Gläsern prüfen, ob sich eine Wespe darin befindet.
- Hektische Bewegungen vermeiden, wenn sich eine Wespe nähert.
- Beim Barfußlaufen auf Wiesen und im Gras aufmerksam sein.
- Geschlossene Schuhe und körperbedeckende Kleidung können zusätzlichen Schutz bieten.
Wie erkenne ich einen Bienenstich?
Ein Bienenstich ist meist unmittelbar schmerzhaft.
Typische Anzeichen sind:
- Schmerzen und Brennen an der Einstichstelle
- Rötung
- Schwellung
- Juckreiz
- häufig ein in der Haut zurückgebliebener Stachel
Gerade der letzte Punkt unterscheidet den Stich einer Honigbiene häufig von einem Wespenstich.
Wie reagiere ich, wenn mein Kind einen Bienenstich hat?
- Prüfen Sie zunächst, ob der Stachel noch in der Haut steckt.
- Entfernen Sie einen sichtbaren Stachel möglichst schnell.
- Kühlen Sie die Einstichstelle mit einem kalten, feuchten Tuch oder einem in ein Tuch eingeschlagenen Kühlpack.
- Legen Sie Kühlpacks niemals direkt auf die Haut.
- Achten Sie darauf, dass Ihr Kind die Einstichstelle möglichst nicht aufkratzt.
- Bei einer stärkeren Schwellung an Arm oder Bein kann es angenehm sein, die betroffene Körperstelle hochzulagern.
- Beobachten Sie Ihr Kind nach dem Stich auf ungewöhnliche Beschwerden oder Anzeichen einer allergischen Reaktion.
- Bei zunehmender Rötung, Überwärmung, starken Schmerzen, Fieber oder anderen auffälligen Veränderungen sollte die Einstichstelle ärztlich abgeklärt werden.
Stich im Mund- oder Rachenraum
Sofort den Notruf 112 wählen.
Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes den Hals von außen kühlen. Kann Ihr Kind sicher schlucken, kann es Eis oder Eiswürfel lutschen.
Schwellungen im Mund- und Rachenraum können die Atemwege beeinträchtigen.
Wie erkenne ich eine schwere allergische Reaktion nach einem Bienenstich?
Eine allergische Reaktion kann sich innerhalb kurzer Zeit entwickeln und Beschwerden verursachen, die über die eigentliche Einstichstelle hinausgehen.
Mögliche Warnzeichen sind:
- Juckreiz, Rötungen oder Quaddeln an mehreren Körperstellen
- Schwellungen im Gesicht, an Lippen oder Zunge
- Übelkeit oder Erbrechen
- Schwindel und Kreislaufprobleme
- Atemnot
- pfeifende Atemgeräusche
- zunehmende Schwäche oder Bewusstseinsstörungen
Eine schwere allergische Reaktion kann zu einer Anaphylaxie führen und lebensbedrohlich werden.
Bei Atemnot, Kreislaufproblemen oder anderen Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion sofort den Notruf 112 wählen.
Ist bei Ihrem Kind bereits eine Insektengiftallergie bekannt und wurde ein Notfallset verordnet, verwenden Sie dieses entsprechend der ärztlichen Anweisung.
Über die Autorin
Dr. med. Christiane Puck
Fachärztin für Anästhesie, Notfallmedizin, und Palliativmedizin, Gründerin des Projekts und des Vereins „Doc Puck zeigt es“ e.V. – Kinder retten Leben. www.docpuckzeigtes.de
Mehr zu Christiane Puck
Christiane Puck ist Fachärztin für Anästhesie, Notfallmedizin und Palliativmedizin. Nach ihrer Approbation ging sie als Stipendiatin der Fulbright-Stiftung für zwei Jahre nach Boston und machte dort ihren Master of Public Health. Am Universitätsklinikum Bonn absolvierte sie ihre Facharztausbildung zur Anästhesistin. Im Rahmen ihres Berufs ist sie auch als Notärztin tätig.
Während ihres Berufslebens, aber auch bei ihrem privaten Engagement für Kinder („Kids save Lives“, „Lesen verzaubert“) hat Christiane festgestellt, dass Kinder im Gegensatz zu Erwachsenen angstfrei, furchtlos, mutig und wissbegierig sind. Daher kann man sie auch für das so wichtige Thema der Lebensrettung begeistern. In Deutschland wird Erste-Hilfe für den Führerschein erlernt und dann schnell wieder vergessen. Anders ist es in den skandinavischen Ländern dort ist Erste-Hilfe bereits in der Grundschule ein Schulfach mit dem Erfolg, dass mehr als 70 % der Bevölkerung Erste-Hilfe leisten können. In Deutschland können dies nur 20-30 %.
Mit ihrem Projekt „Doc Puck zeigt es“ will Christiane ein Umdenken in der Gesellschaft erreichen: Erste-Hilfe zu leisten muss in Deutschland „in“ werden. Sie ist davon überzeugt, dass dies nur über die Kinder zu schaffen ist, denn Kinder lernen schon in jungen Jahren Erste-Hilfe wie Fahrradfahren und Schwimmen und vergessen es nie wieder.
Pflasterpass® und „Doc Puck zeigt es“ verbindet ein gemeinsames Anliegen: Kinder frühzeitig dabei zu unterstützen, Wissen, Sicherheit und Handlungskompetenz für Notfallsituationen zu entwickeln.
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