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Mein Kind hat sich vergiftet. Wie gehe ich damit um?

Eine der häufigsten Ursachen für Vergiftungsunfälle bei Kindern sind chemische Produkte im Haushalt. Auch Medikamente, Pflanzen, Kosmetika sowie Nahrungs- und Genussmittel können eine mögliche Vergiftung auslösen. Besonders Kleinkinder sind gefährdet, weil sie ihre Umgebung neugierig erkunden und vieles in den Mund nehmen.

Pflasterpass® - Vergiftungen Haushaltsmittel

Wo lauern Gefahren für Vergiftungen bei Kindern?

  • Tabak- und Nikotinprodukte
  • Hautpflegeprodukte und Kosmetika
  • Parfüm
  • alkoholhaltige Produkte
  • Wasch- und Reinigungsmittel
  • Lampen- und Duftöle
  • Geschirrreiniger und Entkalker
  • Pflanzen- und Frostschutzmittel
  • Medikamente
  • WC-Reiniger
  • Klebstoffe
  • Kohlenmonoxid, beispielsweise durch defekte Heizungsanlagen
  • giftige Pflanzen und Pilze

Auch Pflanzen in Haus, Garten und Natur können eine Gefahr darstellen.
Dazu gehören beispielsweise:

  • Eisenhut,
  • Engelstrompete,
  • Maiglöckchen,
  • Goldregen,
  • Tollkirsche und
  • Stechapfel.
    Pflasterpass® - Kind mit Badreiniger in der Hand
    Pflasterpass® - Kind mit medizinischen Tabletten in der Hand
    Pflasterpass® - Kind bei Pflanzen

    Wo lauern Gefahren für Vergiftungen bei Kindern?

    Vergiftungen sind nicht immer sofort zu erkennen. Je nach aufgenommenem Stoff können Beschwerden unmittelbar oder erst später auftreten. Manche Vergiftungsunfälle verlaufen zunächst sogar ohne erkennbare Symptome.

    Gerade bei kleinen Kindern ist deshalb wichtig, bereits bei dem Verdacht auf eine Vergiftung fachlichen Rat einzuholen und nicht erst auf Beschwerden zu warten.

    Das ist der entscheidende Punkt. Nicht: „Ich sehe noch nichts, also wird nichts passiert sein.“

    Welche Symptome können bei einer Vergiftung auftreten?

    • plötzliches Unwohlsein oder ungewöhnliche Müdigkeit
    • Übelkeit und Erbrechen
    • Durchfall und Bauchschmerzen
    • Schwindel und Kopfschmerzen
    • auffällige Blässe oder Hautveränderungen
    • Schweißausbrüche
    • Verwirrtheit, Benommenheit oder ungewöhnliche Erregung
    • Veränderungen des Pulses
    • Atemprobleme
    • Bewusstlosigkeit
    • Krampfanfälle
    • in schweren Fällen Atem- oder Herz-Kreislauf-Stillstand

    Wichtig:
    Auch wenn das Kind zunächst keine Beschwerden zeigt, kann eine Vergiftung vorliegen. Bei einem konkreten Verdacht sollte deshalb ein Giftinformationszentrum kontaktiert werden.

    Was tun bei Verdacht auf eine Vergiftung?

    1. Ruhe bewahren und das Kind beobachten.
    Prüfen Sie, ob Ihr Kind wach und ansprechbar ist und normal atmet.

    2. Bei schweren Symptomen sofort 112 wählen.
    Das gilt insbesondere bei Bewusstlosigkeit, erheblichen Atemproblemen, Krampfanfällen oder anderen lebensbedrohlichen Symptomen.

    3. Bei Verdacht auf eine Vergiftung ein Giftinformationszentrum kontaktieren.
    Dort erhalten Sie eine auf den aufgenommenen Stoff abgestimmte Empfehlung.

    4. Kein Erbrechen auslösen.
    Dadurch können zusätzliche Verletzungen entstehen. Insbesondere ätzende Stoffe können beim Erbrechen die Speiseröhre erneut schädigen.

    5. Keine Milch und kein Salzwasser geben.
    Weitere Maßnahmen sollten mit dem Giftinformationszentrum oder medizinischem Fachpersonal abgestimmt werden.

    6. Verpackung oder Produkt bereithalten.
    Wenn vorhanden, können Produktname, Inhaltsstoffe und der UFI-Code dem Giftinformationszentrum helfen, den Stoff schnell zu identifizieren.

    Bei Bewusstlosigkeit und normaler Atmung gehört das Kind in die Seitenlage (ehm. stabile Seitenlage).
    Bei fehlender bzw. nicht normaler Atmung muss entsprechend den Wiederbelebungsmaßnahmen gehandelt und 112 alarmiert werden.

    Die BfR-App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“

    Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bietet mit der App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ ein Informations- und Nachschlagewerk zu Vergiftungsrisiken und deren Vermeidung an.

    Die App informiert unter anderem über chemische Produkte, Medikamente, Pflanzen und Pilze sowie über Maßnahmen bei Vergiftungsunfällen. Im Notfall kann direkt aus der App ein zuständiges Giftinformationszentrum angerufen werden.

    Wichtig: Die App ersetzt im Ernstfall nicht die medizinische Beratung oder Behandlung.

    Die BfR-App wurde für Smartphones mit den Betriebssystemen Android und iOS entwickelt

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    Giftnotrufapp

    Was muss das Giftinformationszentrum wissen?

    Halten Sie möglichst folgende Informationen bereit:

    • Wie alt ist das Kind?
    • Wie viel wiegt das Kind?
    • Was wurde aufgenommen?
    • Welche Menge könnte aufgenommen worden sein?
    • Wann ist es passiert?
    • Wurde der Stoff geschluckt, eingeatmet oder bestand Haut- bzw. Augenkontakt?
    • Welche Symptome zeigt das Kind?
    • Was wurde bereits unternommen?
    • Wie heißt das betreffende Produkt?
    • Ist auf der Verpackung ein UFI-Code angegeben?
    • Wer ruft an und unter welcher Telefonnummer ist die Person erreichbar?

      Wie kann ich Vergiftungen bei Kindern vorbeugen?

      Viele Vergiftungsunfälle lassen sich durch eine kindersichere Aufbewahrung vermeiden:

      • Medikamente für Kinder unzugänglich und sicher aufbewahren.
      • Auch Medikamenten-Wochenboxen nicht offen liegen lassen.
      • Haushaltschemikalien und Reinigungsmittel grundsätzlich außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
      • Chemikalien immer im Originalbehälter belassen und niemals in Getränkeflaschen oder Lebensmittelbehälter umfüllen.
      • Bei Reinigungsmitteln auf kindersichere Verschlüsse achten.
      • Medikamente möglichst nicht vor kleinen Kindern einnehmen – Kinder ahmen Erwachsene nach.
      • Giftige oder gefährliche Produkte nicht zusammen mit Lebensmitteln lagern.
      • Auch Pflanzen in Wohnung und Garten auf mögliche Giftigkeit prüfen.

      Bei einer möglichen Vergiftung gilt: Nicht experimentieren und keine Hausmittel ausprobieren. Holen Sie sich frühzeitig fachlichen Rat beim Giftinformationszentrum – bei schweren oder lebensbedrohlichen Symptomen über den Notruf 112.

      Über die Autorin

      Pflasterpass-Expertin-Dr.-med.-Christiane-Puck-Profilbild

      Dr. med. Christiane Puck

      Fachärztin für Anästhesie, Notfallmedizin, und Palliativmedizin, Gründerin des Projekts und des Vereins „Doc Puck zeigt es“ e.V. – Kinder retten Leben. www.docpuckzeigtes.de

      Mehr zu Christiane Puck

      Christiane Puck ist Fachärztin für Anästhesie, Notfallmedizin und Palliativmedizin. Nach ihrer Approbation ging sie als Stipendiatin der Fulbright-Stiftung für zwei Jahre nach Boston und machte dort ihren Master of Public Health. Am Universitätsklinikum Bonn absolvierte sie ihre Facharztausbildung zur Anästhesistin. Im Rahmen ihres Berufs ist sie auch als Notärztin tätig.

      Während ihres Berufslebens, aber auch bei ihrem privaten Engagement für Kinder („Kids save Lives“, „Lesen verzaubert“) hat Christiane festgestellt, dass Kinder im Gegensatz zu Erwachsenen angstfrei, furchtlos, mutig und wissbegierig sind. Daher kann man sie auch für das so wichtige Thema der Lebensrettung begeistern. In Deutschland wird Erste-Hilfe für den Führerschein erlernt und dann schnell wieder vergessen. Anders ist es in den skandinavischen Ländern dort ist Erste-Hilfe bereits in der Grundschule ein Schulfach mit dem Erfolg, dass mehr als 70 % der Bevölkerung Erste-Hilfe leisten können. In Deutschland können dies nur 20-30 %.

      Mit ihrem Projekt „Doc Puck zeigt es“ will Christiane ein Umdenken in der Gesellschaft erreichen: Erste-Hilfe zu leisten muss in Deutschland „in“ werden. Sie ist davon überzeugt, dass dies nur über die Kinder zu schaffen ist, denn Kinder lernen schon in jungen Jahren Erste-Hilfe wie Fahrradfahren und Schwimmen und vergessen es nie wieder.

      Pflasterpass® und „Doc Puck zeigt es“ verbindet ein gemeinsames Anliegen: Kinder frühzeitig dabei zu unterstützen, Wissen, Sicherheit und Handlungskompetenz für Notfallsituationen zu entwickeln.

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