Hilfe, mein Kind ist auf den Kopf gefallen – hat es eine Gehirnerschütterung?
Was ist eigentlich eine Gehirnerschütterung?
Eine Gehirnerschütterung entsteht durch eine äußere Gewalteinwirkung auf den Kopf oder eine starke Beschleunigung des Kopfes. Dabei kann die Funktion des Gehirns vorübergehend beeinträchtigt werden.
Eine Gehirnerschütterung muss äußerlich nicht sichtbar sein. Auch wenn keine Wunde, Beule oder Schürfung zu erkennen ist, können Beschwerden auftreten.
Kinder verletzen sich vergleichsweise häufig am Kopf. Besonders bei kleinen Kindern sind die Körperproportionen, die noch nicht vollständig entwickelte Koordination und die Fähigkeit, einen Sturz abzufangen, anders als bei Erwachsenen.
Nach einem Sturz auf den Kopf sollten Eltern ihr Kind deshalb aufmerksam beobachten – insbesondere dann, wenn sich sein Verhalten verändert oder Beschwerden auftreten.
Wie gefährlich ist eine Gehirnerschütterung?
Die meisten leichten Kopfverletzungen bei Kindern verlaufen ohne bleibende Folgen. Trotzdem sollte eine mögliche Gehirnerschütterung ernst genommen werden.
Beschwerden können unmittelbar nach dem Unfall auftreten, sich aber auch erst im weiteren Verlauf bemerkbar machen. Dazu gehören beispielsweise Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Erinnerungslücken.
Nach stärkeren Kopfverletzungen können selten auch ernsthafte Verletzungen innerhalb des Schädels auftreten. Entscheidend sind deshalb der Unfallhergang, die Stärke der Gewalteinwirkung und der Zustand des Kindes nach dem Unfall.
Wie erkenne ich eine Gehirnerschütterung?
Nach einer Kopfverletzung können unter anderem folgende Beschwerden auftreten:
- Kopfschmerzen
- Übelkeit oder Erbrechen
- Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
- Benommenheit oder ungewöhnliche Müdigkeit
- Erinnerungslücken
- Konzentrationsprobleme
- Licht- oder Geräuschempfindlichkeit
- auffällige Verhaltensänderungen
- Seh- oder Hörstörungen
Sofort medizinische Hilfe ist erforderlich, wenn sich der Zustand des Kindes deutlich verschlechtert oder beispielsweise Bewusstlosigkeit bzw. zunehmende Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle, auffällige neurologische Veränderungen oder andere schwere Symptome auftreten.
Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie die 112.
Gerade bei kleinen Kindern können Verhaltensänderungen wie ungewöhnliche Schläfrigkeit, Spielunlust oder verminderte Aktivität wichtige Hinweise sein.
Was kann ich selbst tun?
Nach einer Kopfverletzung sollte das Kind zunächst zur Ruhe kommen und aufmerksam beobachtet werden.
Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung sollte das weitere Vorgehen ärztlich abgeklärt werden. Körperliche und geistige Belastungen sollten zunächst reduziert und anschließend – abhängig von den Beschwerden – schrittweise wieder gesteigert werden.
Auch Fernsehen, Smartphone, Tablet oder Computerspiele können Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Lichtempfindlichkeit verstärken. In diesem Fall sollte die Bildschirmzeit entsprechend reduziert werden.
Sport, Toben und andere Aktivitäten, bei denen erneut eine Kopfverletzung drohen könnte, sollten bis zur ausreichenden Erholung vermieden werden.
Verschlechtert sich der Zustand Ihres Kindes oder treten deutliche Warnzeichen auf, wählen Sie die 112.
Wichtig: Verletzungen innerhalb des Schädels
Nach einer stärkeren Gewalteinwirkung auf den Kopf können in seltenen Fällen ernsthafte Verletzungen innerhalb des Schädels auftreten. Diese sind von außen nicht unbedingt zu erkennen. Deshalb ist der Unfallhergang besonders wichtig: Die Höhe eines Sturzes, die Stärke des Aufpralls und der weitere Zustand des Kindes helfen bei der medizinischen Einschätzung einer möglichen Verletzung.
Auch wenn ein Kind unmittelbar nach dem Unfall zunächst unauffällig erscheint, sollten Eltern auf Veränderungen achten.
Bei schweren Stürzen, Verkehrsunfällen, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen, zunehmender Schläfrigkeit, neurologischen Auffälligkeiten oder einer deutlichen Verschlechterung des Zustandes muss das Kind unverzüglich medizinisch beurteilt werden.
Bei einem medizinischen Notfall: 112 wählen.
Über die Autorin
Dr. med. Christiane Puck
Fachärztin für Anästhesie, Notfallmedizin, und Palliativmedizin, Gründerin des Projekts und des Vereins „Doc Puck zeigt es“ e.V. – Kinder retten Leben. www.docpuckzeigtes.de
Mehr zu Christiane Puck
Christiane Puck ist Fachärztin für Anästhesie, Notfallmedizin und Palliativmedizin. Nach ihrer Approbation ging sie als Stipendiatin der Fulbright-Stiftung für zwei Jahre nach Boston und machte dort ihren Master of Public Health. Am Universitätsklinikum Bonn absolvierte sie ihre Facharztausbildung zur Anästhesistin. Im Rahmen ihres Berufs ist sie auch als Notärztin tätig.
Während ihres Berufslebens, aber auch bei ihrem privaten Engagement für Kinder („Kids save Lives“, „Lesen verzaubert“) hat Christiane festgestellt, dass Kinder im Gegensatz zu Erwachsenen angstfrei, furchtlos, mutig und wissbegierig sind. Daher kann man sie auch für das so wichtige Thema der Lebensrettung begeistern. In Deutschland wird Erste-Hilfe für den Führerschein erlernt und dann schnell wieder vergessen. Anders ist es in den skandinavischen Ländern dort ist Erste-Hilfe bereits in der Grundschule ein Schulfach mit dem Erfolg, dass mehr als 70 % der Bevölkerung Erste-Hilfe leisten können. In Deutschland können dies nur 20-30 %.
Mit ihrem Projekt „Doc Puck zeigt es“ will Christiane ein Umdenken in der Gesellschaft erreichen: Erste-Hilfe zu leisten muss in Deutschland „in“ werden. Sie ist davon überzeugt, dass dies nur über die Kinder zu schaffen ist, denn Kinder lernen schon in jungen Jahren Erste-Hilfe wie Fahrradfahren und Schwimmen und vergessen es nie wieder.
Pflasterpass® und „Doc Puck zeigt es“ verbindet ein gemeinsames Anliegen: Kinder frühzeitig dabei zu unterstützen, Wissen, Sicherheit und Handlungskompetenz für Notfallsituationen zu entwickeln.
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