Pflasterpass® – Grillen mit Kindern
Grillen mit Kindern – gemeinsam genießen und Gefahren vermeiden
Wenn die Tage wärmer und länger werden, beginnt für viele Familien die Grillsaison. Auch Igelchen und seine Freunde freuen sich auf einen gemeinsamen Nachmittag im Freien.
Für Kinder ist rund um den Grill allerdings besondere Aufmerksamkeit erforderlich.
Offenes Feuer, heiße Grillflächen und Glut können innerhalb kürzester Zeit zu schweren Verbrennungen führen.
Auch Grillanzünder, scharfe Gegenstände und herumliegende Äste oder Gegenstände können zur Gefahr werden.
Deshalb gilt:
Kinder dürfen gerne dabei sein und altersgerecht einbezogen werden – der Grill und der unmittelbare Gefahrenbereich rundherum bleiben jedoch unter der Verantwortung der Erwachsenen.
Wir zeigen euch, welche typischen Gefahren beim Grillen mit Kindern auftreten können, wie ihr ihnen vorbeugt und was im Notfall wichtig ist.
Verbrennungen und Verbrühungen
Offene Flammen, heiße Glut, Grillroste und Grillgeräte können schwere Verbrennungen verursachen. Besonders Kinder können die Gefahr und die enorme Hitze eines Grills noch nicht zuverlässig einschätzen.
Deshalb sollte rund um den Grill ein ausreichender Sicherheitsabstand eingehalten werden.
Kinder sollten sich dort nur unter unmittelbarer Aufsicht eines Erwachsenen aufhalten. Auch heiße Grillgeräte dürfen nach dem Essen nicht unbeaufsichtigt bleiben – Glut und einzelne Bauteile können noch lange heiß sein.
Kommt es zu einer Verbrennung, gilt:
- Brennende Kleidung sofort löschen.
- Kleidung, die mit der Haut oder Wunde verklebt ist, nicht gewaltsam entfernen.
- Kleine Verbrennungen können unmittelbar nach dem Unfall für kurze Zeit mit handwarmem bzw. kühlem Leitungswasser gekühlt werden. Kein Eis oder eiskaltes Wasser verwenden.
- Keine Hausmittel wie Mehl, Öl, Zahnpasta oder Puder und keine eigenmächtig aufgetragenen Salben auf die Wunde geben.
- Die verletzte Stelle anschließend möglichst keimarm und locker abdecken.
- Bei größeren oder tieferen Verbrennungen, Verbrennungen im Gesicht oder an anderen kritischen Körperregionen sowie bei Unsicherheit sollte umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Bei schweren Verletzungen: Notruf 112.
Was bei Brandverletzungen wichtig ist und wie ihr im Notfall richtig reagiert, haben wir ausführlich in unserem Beitrag: „Brandverletzungen bei Kindern“ zusammengefasst.
Grillanzünder und andere gefährliche Flüssigkeiten
Grillanzünder, Brennstoffe und andere chemische Produkte gehören immer außerhalb der Reichweite von Kindern.
Sie sollten ausschließlich in ihren Originalbehältern aufbewahrt und niemals beispielsweise in Getränke- oder Lebensmittelbehälter umgefüllt werden.
Hat ein Kind Grillanzünder oder eine andere möglicherweise gesundheitsschädliche Substanz in den Mund genommen oder verschluckt, gilt:
- Ruhe bewahren und Reste vorsichtig aus dem Mund entfernen.
- Kein Erbrechen auslösen.
- Nicht eigenständig versuchen, die Substanz durch bestimmte Getränke, Lebensmittel oder andere Hausmittel zu „neutralisieren“.
- Verpackung bzw. Produktbezeichnung bereithalten und möglichst feststellen, was und wie viel aufgenommen wurde.
- Umgehend fachlichen Rat bei einem Giftinformationszentrum einholen und dessen Anweisungen befolgen.
- Bei Bewusstseinsstörungen, Atemproblemen, Krampfanfällen oder anderen schweren Symptomen sofort den Notruf 112 wählen.
Grillanzünder und Brennstoffe können je nach Zusammensetzung unterschiedliche gesundheitliche Gefahren verursachen.
Deshalb sollte das weitere Vorgehen immer auf das konkrete Produkt und die Situation abgestimmt werden.
Was bei einer möglichen Vergiftung zu tun ist und welche Informationen für den Giftnotruf wichtig sind, erfahrt ihr ausführlich in unserem Beitrag:
„Vergiftungen bei Kindern“
Verpuffungen und Stichflammen vermeiden
Beim Anzünden eines Grills ist besondere Vorsicht erforderlich. Brennbare Flüssigkeiten wie Spiritus oder Benzin dürfen niemals zum Anzünden oder Nachzünden verwendet werden.
Dabei können sich schlagartig brennbare Dämpfe entzünden und gefährliche Stichflammen oder Verpuffungen entstehen.
Die Flammen können Personen in der unmittelbaren Umgebung innerhalb kürzester Zeit erreichen und schwere Verbrennungen verursachen.
Für Kinder, die aufgrund ihrer Körpergröße häufig näher am Grill und damit im besonders gefährdeten Bereich stehen, besteht ein erhebliches Verletzungsrisiko.
Deshalb gilt:
- Zum Anzünden nur dafür vorgesehene Grillanzünder entsprechend den Herstellerangaben verwenden.
- Niemals Spiritus, Benzin oder andere leicht entzündliche Flüssigkeiten auf Grill oder Glut geben.
- Kinder beim Anzünden und während des Grillens auf sicheren Abstand zum Grill halten.
- Einen Grill niemals unbeaufsichtigt lassen und auf einen stabilen, kippsicheren Stand achten.
Auch wenn die Glut scheinbar schwächer wird: Niemals mit brennbaren Flüssigkeiten nachhelfen.
Stürze beim Spielen und Toben
Beim Grillen im Garten, beim Picknick oder bei einem Ausflug sind Kinder häufig in Bewegung.
Unebene Böden, Wurzeln, Äste oder herumliegende Gegenstände können schnell zu Stolperfallen werden.
Ein kurzer Blick auf den Spiel- und Aufenthaltsbereich hilft deshalb, vermeidbare Gefahrenstellen frühzeitig zu erkennen.
Kommt es trotzdem zu einem Sturz, richtet sich die Erste Hilfe nach der Verletzung:
- Schürf- und kleinere Wunden vorsichtig von grobem Schmutz befreien und anschließend sauber bzw. keimarm abdecken.
- Bei Prellungen oder Schwellungen die betroffene Körperstelle schonen und vorsichtig kühlen.
- Besteht der Verdacht auf einen Knochenbruch, die verletzte Körperstelle möglichst ruhig halten und nicht unnötig bewegen.
- Nach einem Sturz auf den Kopf das Kind aufmerksam beobachten. Bei auffälligen Beschwerden oder Unsicherheit sollte medizinischer Rat eingeholt werden.
- Bei schweren Verletzungen, Bewusstseinsstörungen, starken Blutungen oder anderen akuten Notfällen gilt: Notruf 112.
Wie ihr typische Sturzgefahren im Alltag erkennen und reduzieren könnt, erfahrt ihr auch in unserem Beitrag:
„Sturzunfälle bei Kindern vermeiden“.
Schnitt- und Stichverletzungen
Beim Grillen kommen Messer, Grillbesteck und andere scharfe oder spitze Gegenstände zum Einsatz. Auch Äste oder andere Gegenstände in der Umgebung können bei einem Sturz Schnitt- oder Stichverletzungen verursachen.Kleinere oberflächliche Schnittwunden können vorsichtig gereinigt und mit einem geeigneten Pflaster oder einer sterilen Wundauflage versorgt werden.
Stärkere Blutungen sollten zunächst durch direkten Druck auf die Wunde gestillt werden.
Besondere Vorsicht gilt bei tiefen Stichverletzungen oder größeren Fremdkörpern, die noch in der Wunde stecken:
- Größere oder tief eingedrungene Fremdkörper nicht selbst herausziehen.
- Den Fremdkörper möglichst nicht bewegen oder zusätzlich belasten.
- Die Verletzung vorsichtig versorgen, ohne Druck auf den Fremdkörper auszuüben.
- Tiefe, stark blutende oder größere Stichverletzungen sollten umgehend medizinisch behandelt werden.
- Bei starken Blutungen, schweren Verletzungen oder einer deutlichen Verschlechterung des Zustandes gilt: Notruf 112.
Wichtig: Nicht jeder kleine Splitter oder oberflächliche Fremdkörper muss in der Wunde verbleiben.
Die Empfehlung, einen Fremdkörper nicht selbst zu entfernen, betrifft insbesondere größere, tief sitzende oder feststeckende Gegenstände.
Splitter und kleine Fremdkörper
Beim Spielen im Garten, im Wald oder mit Holz kann sich schnell einmal ein Splitter oder kleiner Dorn in die Haut bohren.
Sitzt ein Splitter oberflächlich und lässt er sich gut greifen, kann er vorsichtig mit einer sauberen Pinzette entfernt werden. Anschließend sollte die betroffene Stelle gereinigt und in den nächsten Tagen beobachtet werden.
Dabei gilt:
- Den Splitter möglichst in der Richtung herausziehen, in der er eingedrungen ist.
- Nicht unnötig in der Haut herumdrücken oder versuchen, einen tief sitzenden Fremdkörper gewaltsam herauszuholen.
- Tief sitzende, größere oder schwer erreichbare Fremdkörper sollten medizinisch beurteilt werden.
- Auch bei Fremdkörpern in empfindlichen Körperregionen – beispielsweise am Auge – sollte nicht selbst experimentiert werden.
- Entwickeln sich zunehmende Rötung, Schwellung, Schmerzen, Überwärmung oder Eiter, sollte die Stelle ärztlich abgeklärt werden.
Bei Verletzungen sollte außerdem geprüft werden, ob ein ausreichender Tetanus-Impfschutz besteht.
Bei Unsicherheit kann die Kinderarztpraxis hierzu beraten.
Sicher grillen und gemeinsam genießen
Grillen mit der Familie soll vor allem gemeinsame Zeit und Freude bedeuten. Mit einigen klaren Regeln und einem aufmerksamen Blick auf Kinder lassen sich viele typische Gefahren bereits im Vorfeld reduzieren.Der Grill bleibt dabei immer in der Verantwortung der Erwachsenen. Kinder können trotzdem altersgerecht einbezogen werden und lernen, warum Feuer und heiße Gegenstände besondere Aufmerksamkeit erfordern und welche Sicherheitsregeln wichtig sind. So entsteht aus Vorsicht keine Angst vor Feuer, sondern Schritt für Schritt ein sicherer und verantwortungsvoller Umgang damit.
Feuer verstehen und richtig handeln: Genau hier setzt auch unser Feuerpass® -Kurs für Kinder an.
Spielerisch und altersgerecht lernen Kinder wichtige Grundlagen der Brandprävention und erfahren, wie sie sich im Brandfall richtig verhalten.
Vielen Dank an unsere Pflasterpass® -Kursleiterin Sonja Michiels für die Erstellung des ursprünglichen Beitrags.
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