Hilfe, mein Kind hat zu viel Sonne abbekommen.
Wie unterscheide ich, ob es ein Sonnenstich, ein Hitzschlag, oder nur eine Hitzeerschöpfung ist?
Wenn Kinder bei hohen Temperaturen viel Zeit im Freien verbringen, können unterschiedliche hitzebedingte Beschwerden auftreten. Manche Anzeichen zeigen sich schnell, andere können sich erst einige Zeit später bemerkbar machen.
Dabei ist es wichtig, zwischen Sonnenstich, Hitzschlag und Hitzeerschöpfung zu unterscheiden. Die Ursachen und Beschwerden sind unterschiedlich – und damit auch die Maßnahmen, die erforderlich sein können.
Bei einem Sonnenstich sind vor allem Kopf und Nacken betroffen. Eine Hitzeerschöpfung entsteht insbesondere durch einen Flüssigkeits- und Salzverlust. Ein Hitzschlag betrifft dagegen den gesamten Körper und ist ein medizinischer Notfall.
Im Folgenden erfahren Sie, woran Sie die verschiedenen hitzebedingten Erkrankungen erkennen und was Sie tun können.
Was ist ein Sonnenstich?
Ein Sonnenstich kann entstehen, wenn Kopf und Nacken über längere Zeit intensiver direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Durch die starke Wärmeeinwirkung können die Hirnhäute gereizt werden.
Typische Beschwerden können unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Nackenschmerzen sein.
Die Körpertemperatur kann dabei normal oder nur leicht erhöht sein.
Was ist ein Hitzschlag?
Ein Hitzschlag entsteht, wenn der Körper mehr Wärme aufnimmt oder produziert, als er abgeben kann. Das kann bei großer Hitze, längerer körperlicher Anstrengung oder auch in sehr warmen, schlecht belüfteten Räumen geschehen.
Die körpereigene Temperaturregulation kann dabei versagen und die Körpertemperatur stark ansteigen. Mögliche Anzeichen sind unter anderem eine sehr hohe Körpertemperatur, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen oder Bewusstlosigkeit.
Ein Hitzschlag ist ein lebensbedrohlicher medizinischer Notfall. Rufen Sie sofort den Notruf 112.
Was ist denn eigentlich eine Hitzeerschöpfung?
Eine Hitzeerschöpfung kann entstehen, wenn der Körper bei hohen Temperaturen durch starkes Schwitzen viel Flüssigkeit und Salze verliert. Besonders körperliche Anstrengung kann diesen Verlust zusätzlich verstärken.
Typische Anzeichen können beispielsweise starker Durst, Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit sowie blasse und feuchte Haut sein.
Eine Hitzeerschöpfung kann nicht nur im Freien auftreten. Auch große Menschenansammlungen, Veranstaltungen oder warme und schlecht belüftete Räume können den Körper stark belasten.
Wie erkenne ich, ob mein Kind einen Sonnenstich, einen Hitzschlag oder eine Hitzeerschöpfung hat?
Sonnenstich
Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Unruhe, Benommenheit, steifer Nacken, roter und heißer Kopf
Hitzschlag
Sehr hohe Körpertemperatur, Kopfschmerzen, Schwindel, heiße Haut, schneller Herzschlag, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, Krämpfe bis hin zur Bewusstlosigkeit
Hitzeerschöpfung
Starker Durst, Schwäche und Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, blasse, kühle und feuchte Haut
So reagieren Sie bei einer Hitzerschöpfung richtig:
- Bringen Sie Ihr Kind aus der Hitze an einen kühlen und schattigen Ort und sorgen Sie für Ruhe.
- Lockern oder entfernen Sie überflüssige, enge oder verschwitzte Kleidung.
- Kühlen Sie Ihr Kind vorsichtig, zum Beispiel mit kühlen, feuchten Tüchern.
- Ist Ihr Kind wach, ansprechbar und kann sicher schlucken, geben Sie ihm in kleinen Schlucken etwas zu trinken. Geeignet sind beispielsweise Wasser oder ein elektrolythaltiges Getränk.
- Lassen Sie Ihr Kind nicht allein und beobachten Sie seinen Zustand.
- Bessern sich die Beschwerden nicht deutlich oder verschlechtert sich der Zustand Ihres Kindes, holen Sie medizinische Hilfe.
- Treten Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle, starke Verwirrtheit oder andere schwere Beschwerden auf, rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Wird Ihr Kind bewusstlos, prüfen Sie die Atmung. Atmet es normal, bringen Sie es in die stabile Seitenlage und wählen Sie 112. Atmet es nicht normal, beginnen Sie mit der Wiederbelebung.
Was mache ich wenn mein Kind einen Hitzschlag hat?
Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall. Rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Bringen Sie Ihr Kind schnellstmöglich aus der Hitze an einen kühlen und schattigen Ort.
- Entfernen oder lockern Sie überflüssige Kleidung.
- Beginnen Sie, den Körper vorsichtig zu kühlen, beispielsweise mit kühlen, feuchten Tüchern. Verwenden Sie kein Eis direkt auf der Haut.
- Lassen Sie Ihr Kind nicht allein und beobachten Sie Bewusstsein und Atmung.
- Ist Ihr Kind bewusstlos, prüfen Sie die Atmung. Atmet es normal, bringen Sie es in die stabile Seitenlage.
- Atmet Ihr Kind nicht normal, beginnen Sie sofort mit der Wiederbelebung und folgen Sie den Anweisungen der Leitstelle.
Wie kann ich Sonnenstich, Hitzschlag und Hitzeerschöpfung vorbeugen?
Kinder reagieren empfindlicher auf hohe Temperaturen als Erwachsene. Mit einigen einfachen Maßnahmen können Sie das Risiko hitzebedingter Beschwerden reduzieren:
- Sorgen Sie für eine geeignete Kopfbedeckung, die möglichst auch Nacken und Gesicht vor direkter Sonne schützt.
- Denken Sie daran: Sonnencreme schützt vor UV-Strahlung, aber nicht vor Überhitzung.
- Bieten Sie Ihrem Kind bei Hitze regelmäßig ausreichend Flüssigkeit an.
- Vermeiden Sie längere Aufenthalte in der prallen Sonne und suchen Sie möglichst schattige und kühlere Bereiche auf.
- Verlegen Sie körperlich anstrengende Aktivitäten möglichst in die kühleren Tageszeiten.
- Planen Sie regelmäßige Ruhe- und Trinkpausen ein.
- Wählen Sie leichte, luftige und der Temperatur angepasste Kleidung.
- Beobachten Sie Ihr Kind beim Spielen und achten Sie frühzeitig auf Anzeichen von Erschöpfung oder Überhitzung.
Achtung: Diese Gefahrensituationen sollten Sie vermeiden
1. Schwimmbad, Strand und Wasser
Beim Baden und Spielen am Wasser kann die UV-Belastung besonders hoch sein. Gleichzeitig wird die Wärmebelastung beim Spielen häufig unterschätzt.
Achten Sie deshalb auf ausreichenden Sonnenschutz, regelmäßige Pausen im Schatten und genügend Flüssigkeit.
Auch beim Baden und Spielen am Wasser sollten Kinder wichtige Sicherheitsregeln kennen. Im Wasserpass® -Kurs werden diese altersgerecht vermittelt.
2. Kinderwagen in der Sonne
Stellen Sie den Kinderwagen möglichst im Schatten ab und achten Sie auf eine ausreichende Luftzirkulation.
Decken Sie einen Kinderwagen nicht mit Tüchern oder Decken ab, da sich darunter Wärme stauen kann.
3. Kind im Auto
Lassen Sie Ihr Kind niemals allein in einem geparkten Fahrzeug zurück – auch nicht für kurze Zeit.
Warum wird Hitze im Auto für Kinder so gefährlich?
In einem geschlossenen Fahrzeug kann die Temperatur innerhalb kurzer Zeit stark ansteigen. Für Kinder kann diese Hitze schnell lebensgefährlich werden.
Auch ein teilweise geöffnetes Fenster verhindert eine gefährliche Überhitzung des Fahrzeuginnenraums nicht.
Lassen Sie deshalb niemals ein Kind allein in einem geparkten Auto zurück.
Wenn das Auto in der Sonne steht, egal bei welcher Außentemperatur, kommt es zu einem extremen Temperaturanstieg im Wageninneren und Ihr Kind erleidet einen Hitzschlag. Auch ein geöffnetes Fenster bietet keinen Schutz vor dieser Gefahr.
Achtung: Ein Hitzschlag ist ein lebensbedrohlicher Notfall und kann zu schweren Organschäden führen. Bei entsprechenden Anzeichen muss sofort der Notruf 112 gewählt werden.
Was ist ein Sonnenbrand?
Ein Sonnenbrand ist eine akute Schädigung der Haut durch zu starke UV-Strahlung. Besonders Kinderhaut reagiert empfindlich auf intensive Sonneneinstrahlung.
Wie erkenne ich einen Sonnenbrand bei meinem Kind??
Ein Sonnenbrand macht sich häufig erst einige Stunden nach einer zu starken UV-Belastung bemerkbar.
Typische Anzeichen sind:
- gerötete und warme Haut,
- Brennen oder Schmerzen,
- Juckreiz und
- bei stärkeren Sonnenbränden auch Blasenbildung.
Was kann ich bei einem Sonnenbrand tun?
- Bringen Sie Ihr Kind aus der Sonne und vermeiden Sie weitere direkte Sonneneinstrahlung.
- Kühlen Sie die betroffenen Hautstellen vorsichtig mit kühlen, feuchten Tüchern oder Umschlägen.
- Verwenden Sie kein Eis oder Kühlpacks direkt auf der Haut.
- Vermeiden Sie Reibung und zusätzliche Belastungen der betroffenen Haut.
- Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ausreichend trinkt.
- Fragen Sie bei Bedarf in der Apotheke oder kinderärztlichen Praxis nach geeigneten Pflegeprodukten für Kinder.
- Öffnen Sie Brandblasen niemals selbst, da dadurch das Infektionsrisiko steigt.
- Bei ausgeprägter Blasenbildung, starken Schmerzen, Fieber, Kreislaufproblemen oder wenn es Ihrem Kind insgesamt schlecht geht, sollte es ärztlich untersucht werden.
Wie kann ich mein Kind vor Sonnenbrand schützen?
- Vermeiden Sie möglichst intensive direkte Sonneneinstrahlung und nutzen Sie schattige Plätze.
- Schützen Sie Ihr Kind durch geeignete Kleidung und eine Kopfbedeckung.
- Verwenden Sie einen für Kinder geeigneten Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor und tragen Sie ihn ausreichend auf.
- Erneuern Sie den Sonnenschutz regelmäßig und insbesondere nach dem Baden, Abtrocknen oder starkem Schwitzen.
- Denken Sie daran: Auch wasserfester Sonnenschutz muss erneuert werden.
- Achten Sie beim Baden und Spielen am Wasser besonders auf den UV-Schutz.
- Verlegen Sie längere Aktivitäten im Freien möglichst außerhalb der besonders sonnenintensiven Tageszeit.
Über die Autorin
Dr. med. Christiane Puck
Fachärztin für Anästhesie, Notfallmedizin, und Palliativmedizin, Gründerin des Projekts und des Vereins „Doc Puck zeigt es“ e.V. – Kinder retten Leben. www.docpuckzeigtes.de
Mehr zu Christiane Puck
Christiane Puck ist Fachärztin für Anästhesie, Notfallmedizin und Palliativmedizin. Nach ihrer Approbation ging sie als Stipendiatin der Fulbright-Stiftung für zwei Jahre nach Boston und machte dort ihren Master of Public Health. Am Universitätsklinikum Bonn absolvierte sie ihre Facharztausbildung zur Anästhesistin. Im Rahmen ihres Berufs ist sie auch als Notärztin tätig.
Während ihres Berufslebens, aber auch bei ihrem privaten Engagement für Kinder („Kids save Lives“, „Lesen verzaubert“) hat Christiane festgestellt, dass Kinder im Gegensatz zu Erwachsenen angstfrei, furchtlos, mutig und wissbegierig sind. Daher kann man sie auch für das so wichtige Thema der Lebensrettung begeistern. In Deutschland wird Erste-Hilfe für den Führerschein erlernt und dann schnell wieder vergessen. Anders ist es in den skandinavischen Ländern dort ist Erste-Hilfe bereits in der Grundschule ein Schulfach mit dem Erfolg, dass mehr als 70 % der Bevölkerung Erste-Hilfe leisten können. In Deutschland können dies nur 20-30 %.
Mit ihrem Projekt „Doc Puck zeigt es“ will Christiane ein Umdenken in der Gesellschaft erreichen: Erste-Hilfe zu leisten muss in Deutschland „in“ werden. Sie ist davon überzeugt, dass dies nur über die Kinder zu schaffen ist, denn Kinder lernen schon in jungen Jahren Erste-Hilfe wie Fahrradfahren und Schwimmen und vergessen es nie wieder.
Pflasterpass® und „Doc Puck zeigt es“ verbindet ein gemeinsames Anliegen: Kinder frühzeitig dabei zu unterstützen, Wissen, Sicherheit und Handlungskompetenz für Notfallsituationen zu entwickeln.
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