Pflasterpass® – Vorsicht beim Herbstspaziergang mit der Familie
Herbstspaziergang mit Kindern – Vorsicht bei unbekannten Pflanzen und Früchten
Bunte Blätter, Kastanien, Beeren und andere Früchte machen einen Herbstspaziergang für Kinder besonders spannend. Gerade kleine Kinder entdecken ihre Umgebung jedoch nicht nur mit den Augen und Händen – manchmal landen gefundene Pflanzenteile oder Früchte auch schnell im Mund.
Deshalb sollten Eltern und andere Begleitpersonen aufmerksam sein: Nicht alle Beeren, Früchte, Samen oder Pflanzenteile, die im Herbst interessant aussehen, sind für Kinder ungefährlich.
Kinder sollten unbekannte Pflanzen und Früchte deshalb nicht probieren oder in den Mund nehmen.
Bei einigen Pflanzen kann bereits der Verzehr kleiner Mengen gesundheitliche Beschwerden verursachen.
Im Folgenden stellen wir einige Pflanzen vor, denen Familien bei einem Herbstspaziergang begegnen können, und zeigen, worauf dabei besonders zu achten ist.
Giftige Früchte und Samen beim Herbstspaziergang
Tollkirsche

Die Tollkirsche (Atropa belladonna) gehört zu den stark giftigen Pflanzen.
Besonders ihre glänzend schwarzen Beeren können für Kinder interessant aussehen und mit essbaren Früchten verwechselt werden.
Typische Merkmale sind:
- etwa kirschgroße, zunächst grüne und später glänzend schwarze Beeren,
- ein auffälliger grüner Kelch unterhalb der Frucht,
- Vorkommen unter anderem an Waldrändern, auf Lichtungen und in lichten Wäldern.
Alle Pflanzenteile der Tollkirsche sind giftig. Bereits der Verzehr weniger Beeren kann für Kinder gefährlich sein.
Mögliche Anzeichen einer Vergiftung können unter anderem Mundtrockenheit, stark erweiterte Pupillen, beschleunigter Herzschlag, Unruhe, Verwirrtheit oder andere neurologische Auffälligkeiten sein.
Wichtig: Hat ein Kind möglicherweise Beeren oder andere Pflanzenteile der Tollkirsche gegessen, sollte umgehend medizinischer Rat eingeholt werden. Bei deutlichen Vergiftungserscheinungen, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder anderen schweren Symptomen gilt: sofort 112 anrufen.
Immergrüne Eibe

Die immergrüne Eibe (Taxus baccata) findet man häufig in Gärten, Parks und Hecken. Für Familien mit kleinen Kindern ist besondere Aufmerksamkeit wichtig, denn die auffälligen roten Samenmäntel können schnell das Interesse von Kindern wecken.
Typische Merkmale sind:
- dunkelgrüne, nadelförmige Blätter,
- auffällige rote, beerenähnlich wirkende Samenmäntel,
- häufiges Vorkommen als Hecken- und Zierpflanze in Gärten und Parks.
Wichtig: Der rote, fleischige Samenmantel selbst enthält kaum giftige Inhaltsstoffe. Der darin liegende Samen sowie insbesondere Nadeln und weitere Pflanzenteile der Eibe enthalten jedoch hochgiftige Taxine.
Werden die Samen zerbissen oder andere Pflanzenteile aufgenommen, kann es zu schweren Vergiftungen kommen.
Mögliche Anzeichen einer Vergiftung können unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Schwindel sowie Herz-Kreislauf-Störungen sein. Schwere Vergiftungen können lebensbedrohlich verlaufen.
Hat ein Kind möglicherweise Samen, Nadeln oder andere Pflanzenteile einer Eibe aufgenommen, sollte umgehend medizinischer Rat eingeholt werden.
Bei deutlichen Beschwerden, Bewusstseinsstörungen, Atem- oder schweren Herz-Kreislauf-Problemen gilt: sofort 112 anrufen.
Nachtschatten

Verschiedene Nachtschattenarten können in Gärten, an Wegrändern oder auf anderen Grünflächen wachsen. Ihre kleinen Beeren können für Kinder interessant aussehen und sollten nicht gegessen werden.
Je nach Pflanzenart und Reifegrad können unterschiedliche Mengen giftiger Inhaltsstoffe enthalten sein.
Nach dem Verzehr können beispielsweise folgende Beschwerden auftreten:
- Reizungen oder Kratzen im Mund- und Rachenraum,
- Übelkeit,
- Bauchschmerzen,
- Erbrechen oder Durchfall.
Hat ein Kind Beeren oder andere Pflanzenteile eines Nachtschattengewächses gegessen und ist die genaue Art oder aufgenommene Menge nicht bekannt, sollte vorsorglich medizinischer Rat beziehungsweise der zuständige Giftnotruf eingeholt werden. Bei deutlichen oder schweren Beschwerden gilt: 112 anrufen.
Herbstzeitlose

Die Herbstzeitlose ist eine stark giftige Pflanze. Ihre meist violett-rosa Blüten erscheinen häufig im Spätsommer und Herbst und können auf den ersten Blick mit Krokussen verwechselt werden.
Alle Pflanzenteile enthalten das Gift Colchicin. Bereits der Verzehr kleiner Mengen kann zu einer schweren Vergiftung führen.
Mögliche Beschwerden sind unter anderem:
- Übelkeit und Erbrechen,
- starke Bauchschmerzen,
- Durchfall,
- Kreislaufbeschwerden.
Besonders tückisch ist, dass Beschwerden erst einige Stunden nach dem Verzehr auftreten können.
Besteht der Verdacht, dass ein Kind Teile einer Herbstzeitlosen gegessen hat, sollte umgehend medizinischer Rat über den Giftnotruf eingeholt werden – auch wenn zunächst noch keine Beschwerden auftreten.
Bei schweren Symptomen oder einer deutlichen Verschlechterung: 112 anrufen.
Blauer Eisenhut

Der Blaue Eisenhut gehört zu den giftigsten Pflanzen Europas.
Auffällig sind seine meist blau-violetten Blüten. Die Pflanze kann sowohl in Gärten als auch in der Natur vorkommen.
Alle Pflanzenteile sind giftig. Sie enthalten unter anderem Aconitin, ein sehr stark wirkendes Pflanzengift. Besonders gefährlich ist die Aufnahme von Pflanzenteilen über den Mund.
Auch der direkte Kontakt mit Pflanzensaft sollte vermieden werden. Kinder sollten die Pflanze deshalb weder pflücken noch berühren.
Mögliche Anzeichen einer Vergiftung können unter anderem sein:
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle,
- Übelkeit und Erbrechen,
- Schwindel,
- Herz-Kreislauf-Beschwerden.
Besteht der Verdacht, dass ein Kind Teile des Blauen Eisenhuts in den Mund genommen oder verschluckt hat, sollte sofort medizinischer Rat eingeholt werden. Bei Beschwerden oder einer möglichen schweren Vergiftung: 112 anrufen.
Sicher unterwegs – und im Notfall richtig handeln
Bunte Beeren, Früchte und Blüten gehören für Kinder zu den spannenden Entdeckungen eines Herbstspaziergangs. Umso wichtiger ist es, ihnen früh zu vermitteln: Unbekannte Pflanzen, Beeren und Samen werden nicht gegessen.
Hat ein Kind dennoch unbekannte Pflanzenteile in den Mund genommen oder verschluckt, sollten Eltern möglichst feststellen, um welche Pflanze es sich handelt und welche Menge aufgenommen worden sein könnte.
Pflanzenreste oder ein Foto können bei der Einschätzung hilfreich sein.
Weitere Informationen dazu, was bei einer möglichen Vergiftung zu tun ist, finden Sie in unserem Beitrag „Vergiftungen bei Kindern – richtig handeln im Notfall“.
Informationen zu Vergiftungsunfällen und den deutschen Giftinformationszentren bietet außerdem das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).
Wer sich darüber hinaus mit typischen Notfällen und Erkrankungen bei Babys und Kindern beschäftigen möchte, findet weitere Informationen im Fachbuch von Dr. med. Katharina Rieth. Von Fieber bis Reanimation: In der Pflasterpass®-Sonderedition „Fit für den Kindernotfall“ finden Eltern und Familien verständliches Wissen zu typischen Notfällen im Kindesalter und praktische Hinweise zur Unfallprävention.
Unser Pflasterpass® -Tipp:
Kinder dürfen die Natur entdecken, sammeln und neugierig sein. Ein paar einfache Regeln helfen dabei, dass aus dem gemeinsamen Herbstspaziergang ein schönes und möglichst sicheres Familienerlebnis wird.
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