Pflasterpass® – Sturzunfälle im Kindesalter
In der Igelchengeschichte „Wenn die Tannenzapfen fliegen“ stürzt das Igelchen über eine Wurzel und verletzt sich am Bein. Eine Situation, die auch im Alltag von Kindern schnell passieren kann.
Ob zu Hause, auf dem Spielplatz oder in der Kita: Stürze gehören zu den häufigen Unfallereignissen im Kindesalter.
Gerade kleine Kinder entdecken ihre Umgebung mit viel Bewegungsdrang, während Gleichgewicht, Koordination und das Einschätzen von Gefahren noch in der Entwicklung sind.
Viele Sturzgefahren lassen sich jedoch bereits durch einfache Sicherheitsmaßnahmen reduzieren. Wichtig ist dabei nicht, Kindern jede Bewegung abzunehmen, sondern ihnen eine möglichst sichere Umgebung zu schaffen, in der sie Bewegungserfahrungen sammeln und ihre Fähigkeiten Schritt für Schritt entwickeln können.
Wir haben einige wichtige Hinweise zusammengestellt, mit denen ihr typische Sturzgefahren im Alltag erkennen und reduzieren könnt.
Liegeflächen und Wickeltische
Babys und kleine Kinder sollten auf erhöhten Liegeflächen niemals unbeaufsichtigt bleiben. Das gilt nicht nur für den Wickeltisch, sondern beispielsweise auch für Bett, Sofa oder andere erhöhte Flächen.
Gerade bei Babys können neue Bewegungen plötzlich und unerwartet auftreten. Ein kräftiges Strampeln, Drehen oder Rollen kann ausreichen, um gefährlich nah an eine Kante zu gelangen.
Beim Wickeln gilt deshalb: Eine Hand bleibt möglichst am Kind. Alles, was benötigt wird – Windeln, Kleidung und Pflegeprodukte – sollte bereits vorher griffbereit liegen, damit man sich nicht vom Kind entfernen muss.
Ist etwas außer Reichweite, ist die sicherste Lösung einfach: Das Kind mitnehmen oder zunächst auf einer sicheren Fläche ablegen.
Kinder richtig sichern
Ob im Kinderautositz, Hochstuhl oder in dafür vorgesehenen Sitz- und Liegesystemen: Vorhandene Rückhalte- und Gurtsysteme sollten immer entsprechend den Herstellerangaben verwendet werden.
Kinder bewegen sich häufig überraschend schnell. Sie drehen sich, drücken sich hoch oder versuchen aufzustehen. Besonders auf erhöhten Sitzflächen kann dadurch innerhalb weniger Sekunden eine gefährliche Sturzsituation entstehen.
Beim Hochstuhl gilt deshalb: Das Kind immer mit dem vorgesehenen Rückhaltesystem sichern und nicht unbeaufsichtigt lassen.
Auch während einer kurzen Unterbrechung beim Essen kann ein Kind versuchen aufzustehen oder aus dem Sitz zu klettern.
Beim Kinderautositz ist die korrekte Sicherung zusätzlich für den Schutz während der Fahrt entscheidend.
Gurte müssen richtig angelegt und entsprechend den Herstellerangaben eingestellt sein.
Möbel und Stolperfallen im Haushalt
Sobald Kinder beginnen, sich hochzuziehen, zu stehen und ihre Umgebung selbstständig zu erkunden, werden auch Möbel schnell zum Kletter-, Halte- oder Abstützpunkt. Deshalb sollte regelmäßig geprüft werden, ob Schränke, Regale und andere Möbel ausreichend stand- und kippsicher sind.
Besonders Möbel, die beim Hochziehen oder Klettern umkippen könnten, sollten entsprechend den Herstellerangaben sicher befestigt werden. Auch schwere Gegenstände auf Möbeln können zur Gefahr werden, wenn Kinder daran ziehen oder versuchen, sie zu erreichen.
Zur Sturzprävention gehört außerdem der Blick auf den Boden: hochstehende Teppichkanten, herumliegende Gegenstände, Kabel sowie glatte oder unebene Flächen können schnell zu Stolper- und Rutschfallen werden.
Auch scharfe Möbelkanten, hervorstehende Elemente und andere mögliche Gefahrenstellen sollten aus der Perspektive eines Kindes betrachtet und – wo erforderlich – abgesichert werden.
Noch mehr typische Gefahrenstellen und praktische Hinweise findet ihr in unserem Beitrag:
„Ist euer Zuhause kindersicher?“.
Fenster, Balkone und Treppen sicher gestalten
Fenster, Balkone und Treppen gehören zu den Bereichen im Haushalt, bei denen ein Sturz besonders schwere Folgen haben kann. Kleine Kinder sollten deshalb dort nicht unbeaufsichtigt bleiben.
Fenster und Balkontüren sollten so gesichert sein, dass Kinder sie nicht selbstständig vollständig öffnen können. Achtet außerdem darauf, keine Möbel oder andere Gegenstände als mögliche Kletterhilfen unmittelbar vor Fenstern oder an Balkonbrüstungen aufzustellen.
Auch auf dem Balkon gilt:
Brüstungen und Geländer können für Kinder schnell interessant werden und zum Klettern verleiten.
Geeignete Sicherungsmaßnahmen sollten deshalb immer an das Alter und die Entwicklung des Kindes sowie an die baulichen Gegebenheiten angepasst werden.
Treppen gemeinsam sicher meistern
Gerade für kleine Kinder sind Treppen zunächst eine besondere Herausforderung. Treppenschutzgitter können den unbeaufsichtigten Zugang begrenzen, ersetzen aber nicht die Aufsicht.
Sobald Kinder beginnen zu klettern oder versuchen, solche Barrieren zu überwinden, muss die Situation neu beurteilt werden.
Gleichzeitig sollten Kinder Gelegenheit bekommen, das Treppensteigen altersgerecht und unter Begleitung zu üben. So entwickeln sie Schritt für Schritt die motorischen Fähigkeiten und Bewegungssicherheit, die sie für ihren Alltag benötigen.
Roller, Laufräder und Fahrräder gehören dagegen grundsätzlich nach draußen.
In Wohnräumen erhöhen sie durch begrenzten Platz, Möbel und glatte Böden unnötig das Risiko für Stürze und Zusammenstöße.
Bewegungserfahrungen gehören zum Großwerden
Kinder lernen Bewegung, indem sie sich bewegen. Klettern, Balancieren, Rennen, Treppensteigen und Ausprobieren helfen ihnen dabei, Koordination, Gleichgewicht und ein zunehmend besseres Gefühl für die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Eltern können sie dabei unterstützen, indem sie klare und verständliche Regeln vermitteln, sichere Bewegungsräume schaffen und neue Bewegungsabläufe gemeinsam mit ihren Kindern üben.
Dabei geht es nicht darum, jeden möglichen Sturz zu verhindern. Kinder brauchen altersgerechte Herausforderungen und ausreichend Zeit, um Erfahrungen zu sammeln und zunehmend sicherer zu werden.
Aufmerksame Begleitung, eine möglichst sichere Umgebung und das eigene Vorbild helfen Kindern dabei, Risiken zunehmend selbst zu erkennen und ihre Fähigkeiten realistisch einzuschätzen.
Kommt es trotz aller Vorsicht zu einem Sturz auf den Kopf, sollte das Kind aufmerksam beobachtet werden.
Welche Anzeichen auf eine Gehirnerschütterung hindeuten können und wann medizinische Hilfe erforderlich ist, erfahrt ihr in unserem Beitrag zum Thema:
„Gehirnerschütterung bei Kindern.“
Stürze vermeiden, Entwicklung ermöglichen
Stürze lassen sich im Kindesalter nicht vollständig verhindern. Viele typische Gefahrenstellen im Alltag können Eltern jedoch erkennen und mit einfachen Maßnahmen entschärfen. Gleichzeitig sollten Kinder die Möglichkeit bekommen, Bewegung zu erleben, Neues auszuprobieren und Schritt für Schritt sicherer zu werden.
Genau diese Erfahrungen tragen dazu bei, dass sie ihre eigenen Fähigkeiten und mögliche Risiken zunehmend besser einschätzen können.
Eine sichere Umgebung und altersgerechte Freiräume gehören deshalb zusammen.
Vielen Dank an unsere Pflasterpass® -Kursleiterin Sonja Michiels für die Erstellung des ursprünglichen Beitrags.
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